|
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Körperhaltungen zur Tranceinduktion zu verwenden. Die Staða der Runengymnastik, die Trancehaltungen der Ethnologin Felicitas Goodmann, Austin Osman Spares Todeshaltung, Teile des indischen Systems des Yoga, Qi Gong und Tai Ji. Die letzten drei Richtungen zähle ich nicht zu den schamanistischen Methoden, Trance zu induzieren. Diese Verfahren verändern zwar ebenso den Bewusstseinszustand, haben aber eher wenig mit dem Schamanentum gemeinsam. Im Zusammenhang mit der westlichen Zeremonialmagie des frühen zwanzigsten Jahrhunderts (Aleister Crowley und Nachfolger) ist Yoga von Interesse. Die Ethnologin Felicitas Goodmann machte im Laufe ihrer Forschungen über das Zungenreden einige bemerkenswerte Beobachtungen über die Körperhaltungen, die Menschen einnahmen, die in Zungen redeten (natürlich in Trance). Sie fand später heraus, das auf der ganzen Welt Figuren gefunden werden, meist aus sehr frühen Zeiten unserer kulturellen Entwicklung, die bestimmte Körperhaltungen zeigen. Überall konnte sie Übereinstimmungen in der Darstellung finden und etwa dreissig verschiedene Körperhaltungen zusammenstellen, die immer wiederkehren. Das es nicht um verlorenes Wissen geht, beweisen zahlreiche rezente Kulturen, die mit Trance vertraut sind. Beispielsweise nimmt Kxao ?Oah, ein blinder Ju?´hoan Heiler die Bärenhaltung ein, um eine Schwangere zu heilen (. Übrigens fiel mir bei schwangeren Frauen auf, dass sie dazu tendieren in der späteren Phase der Schwangerschaft die Trancehaltung "das Rufen der Geister" einnehmen, um ihren Bauch zu halten (Mutmaßung von mir ...). Die einzelnen Tranceerlebnisse werden durch die eingenommene Körperhaltung bestimmt und variieren von Reisen zu speziellen Orten bis hin zu Heilungserfahrungen. Vom Ablauf her ist die Arbeit mit den Trancehaltungen ziemlich einfach. Zuerst werden die Geister der Körperhaltung angerufen, anschließend eine Entspannungsübung durchgeführt und die Trancehaltung eingenommen. Rasseln oder Trommeln dient als rhythmische Begleitung und Tranceförderung. Die Dauer liegt bei etwa einer Viertelstunde, manchmal (gerade bei den Befragungshaltungen) kann ein Ergebnis auch schon früher eingetroffen sein. Die Erlebnisse, die die Menschen machen, die sich in einer dieser Körperhaltungen befinden, ähneln sich. Ich gehe in meinem Trommelkreis so vor, dass ich nicht verrate, welche Erlebnisse mit einer bestimmten Körperhaltung verknüpft werden, und erst nachdem alle berichtet haben, erkläre ich die Körperhaltung. Goodmann schreibt, die Körperhaltungen seien vielleicht genetisch verankert, da die erwarteten Erlebnisse bei jedem, der diese Positionen einnimmt, eintritt - egal ob er die Wirkung nun kennt oder nicht Aleister Crowley verknüpfte in seinem magischen Lebenswerk indische und fernöstliche Lehren mit der westlichen traditionellen Magie. Ein wichtiger Teil dieser Synthese stellt die Beherrschung des Körpers und der Gedanken dar. Crowley adaptierte die Asanas und das Pranayama des indischen Yogas, um genau diese Ziele zu erreichen. Dabei ist es letztendlich unwichtig, welche Haltung nun eingenommen wird, denn jede Körperhaltung wird innerhalb kürzester Zeit schrecklich unbequem. Ähnlich adaptierte er Gedankenkontrolle und Atemkontrolle. Interessanterweise ist schamanische Trance vom Grundkonzept her eher gegensätzlich zum Yoga. Die Übungen andererseits aber können durchaus eine Verstärkung und Verbesserung der Trance bewirken. Spontaneität und Freistil werden jedoch eher unterdrückt. Wer sich für Yoga interessiert, den kann ich nur wärmstens Iyengars Werke empfehlen.
Die Todeshaltung Spares Der englische Magier Austin Osman Spare machte die sogenannte Todeshaltung bekannt. Ich beschreibe Todesstellung Spares an dieser Stelle, weil sie stark dem freien und chaotischen Ansatz entgegenkommt, der mir selbst entspricht. Um den Zustand des "Weder- Weder" zu erreichen, beschreibt Spare in seinem "Buch der Freude" folgende Übung (ich zitiere wörtlich aus der Übersetzung der Edition ANANAEL): "Liege entspannt auf deinem Rücken und atme tief durch, während Du dich mit deinem Körper dem Gefühl des Gähnens hingibst und dich dabei lächelnd in einem aufnahmebereiten Zustand versetzt, dies ist die Idee der Stellung. Wenn Du die Zeit und all jene Dinge vergessen hast, die nur ihre eigene Bedeutungslosigkeit widerspiegeln, dann ist jener Moment eingetreten, der jenseits der Zeit liegt und den Erfolg darstellt.
Stehe auf deinen Zehenspitzen, mit hinter dem Rücken verschränkten Armen und gestreckten Nacken, aufs äußerste angespannt, und atme dabei tief und krampfartig bis Schwindel und Sinnestäuschungen auftreten, dies erzeugt die nötige Erschöpfung und Voraussetzung für die erstere Stellung. (Anmerkung: Spare setzt zur Vorbereitung der eigentlichen Todesstellung die Hyperventilation als weiteres Hilfmittel der Tranceinduktion ein). Starre auf dein Spiegelbild bis zu jenem Zeitpunkt, an dem es sich aufzulösen scheint und Du dich selbst nicht mehr erkennst, dann schließe deine Augen (was normalerweise unwillkürlich geschieht) und visualisiere. Das Licht, das dabei gesehen wird (meist ein X in seltsamen Ausformungen), sollte festgehalten werden bis alle Anstrengung vergessen ist. ... Dies sollte vor der Durchführung der obigen Übungen praktiziert werden ..." Spares Todesstellung stellt also eine Kombination aus verschiedenen Trancetechniken dar: Körperhaltung, Konzentration und Hyperventilation.
Tranceinduktion durch Konzentration
Ich unterscheide die Konzentration auf Bilder, auf Kraftgegenstände, auf Spiegel und auf Mantren. Die Konzentration auf Mantren ist eine Hybride zwischen der rhythmischen Induktion und der hier erläuterten Konzentrationstechnik. Auch das autogene Training und diverse grundlegende Imaginationstechniken zähle ich zu diesem Bereich. Die Konzentration auf Bilder ist weitgehend bekannt geworden durch die tibetischen Mandalas und Thangkas, welche häufig genau zu diesem Zweck hergestellt werden. Die Konzentration auf optische Objekte wird durch ein bewegungsloses Starren erreicht. Die Augen werden auf das Bild gerichtet und ohne die Augäpfel weiter zu bewegen oder zu blinzeln bleibt der Blick auf das Bild gerichtet. Dabei kann es sein, dass die Augen nach oben oder sonstwohin wegwandern. Dies sollte unterbunden werden (meine Augen wandern immer nach oben, als Maßnahme dagegen befinden sich meine Augen bereits in der obersten Position, die möglich ist, wenn ich zu Starren anfange).
Das Tränen, welches nach kurzen Momenten einsetzt und den Drang zu blinzeln erhöht, muss erfolgreich bekämpft werden. Nachdem die optische Rückkoppelung eingesetzt hat, kann das Objekt der Meditation mit offenen Augen weiter erkundet werden. Im Zusammenhang mit entheogenen Substanzen ist der Moment des "Umschlagens der Wahrnehmung" viel deutlicher wahrzunehmen und öffnet den Gegenstand der Konzentration im Betrachter. Je nachdem, welches Objekt zum Starren benutzt wird, variieren natürlich die Erfahrungen. Ein Mandala aus Tibet kann ein Tor in die Geisterwelt werden, Spiegelmeditationen vor einem normalen Spiegel eine Selbstreflektion und Selbstanalyse bewirken - die dabei entstehenden Bilder im Spiegel stellen verschiedene Aspekte des Selbstes dar und können intensiv studiert werden. Spiegelmeditationen vor einem Schwarzspiegel können denselben als Tor für Geister eröffnen oder das Bild eines bestimmten Geistes erscheinen lassen.
Die Konzentration auf Kraftgegenstände wie Steine, Bergkristallen, Federn oder ähnliches öffnet die dem Gegenstand eigene Kraft der Transformation oder Veränderung der Wahrnehmung. Hilfsgeister oder Verbündete zeigen dann ihre Fähigkeiten. Innerhalb schamanischer Seancen benutze ich ab und zu die Technik des Starrens um Klienten zu diagnostizieren oder mit sich selbst zu konfrontieren. Einhergehend mit der Konzentrationstechnik ist es sehr nützlich, eine Körperhaltung zu beherrschen, die es ermöglicht, lange und bequem zu sitzen, ohne die Haltung zu verändern. Die Technik des Asanas aus dem indischen Yoga kann also sehr gut mit den Konzentrationstechniken zusammen gebraucht werden. Dank der modernen Computertechnik und den leistungsfähigen Mikroprozessoren ist es möglich geworden, fraktale Graphiken zu erzeugen, die eine äußerst starke psychedelische Wirkung und Faszination ausüben. Ich selbst rendere sogenannte Zoomfilme, in denen Fraktale immer weiter vergrößert werden – der Zuseher fällt quasi in diesen Wahrnehmungstunnel hinein und gelangt auf diese Weise in die NAW – vorausgesetzt, er besitzt einen starken Rechner und eine gute Graphikkarte. Interessant ist, das die asiatische Ornamentik und die tibetischen Mandalas starke Ähnlichkeiten mit einigen Formen der fraktalen Mathematik aufweisen.
Ähnlich kann mit Mantren verfahren werden. Ein Mantram wird im Geiste ständig wiederholt, solange bis es den Geist vollständig ausfüllt. Das Mantram beginnt sich zu verselbstständigen, ins Unbewusste hinabzusinken und seine Wirkung zu entfalten. Gute Erfahrung habe ich auch damit sammeln können, mehr als ein Mantram gleichzeitig zu gebrauchen. Dann beginnt es Wirkung zu entfalten und die Zeit endet. Trance setzt nicht unmittelbar nach den ersten Momenten ein, wenn diese Technik eingesetzt wird. Es dauert einige Zeit, bis Du dich vollständig auf das Mantram eingelassen hast. Lange Zauberformeln oder Anrufungen, die rezitiert werden, betrachte ich auch als nichts anderes wie ein Mantram - nur, dass sie eben viel länger sind. Als Beispiel erwähne ich die henochischen Schlüssel, die durch Rezitation und Vibration alleine bereits Wirkung entfalten können. Das Singen von Melodien oder "Spirit-Songs" fällt ebenso in diese Sparte. Das rhythmische Wiederholen der wenigen Liedzeilen versetzt bereits nach kurzer Zeit in eine Trance. Innerhalb der Ghost- Dance Bewegung wurde neben diesem Effekt auch der Tanz und die weiter unten erwähnte Technik der Sinnesbeschäftigung angewendet. Wer sich mit magischen Techniken befasst, wird sicher schon über die Schulung der Imaginationsfähigkeit gestolpert sein, in der zuerst einfache Formen imaginiert werden, weiters dann die Sinne einzeln angesprochen werden (zum Beispiel, die Imagination des Geschmackes eines Apfels) und dann langsam die Intensität gesteigert wird. Ich persönlich halte eher wenig davon, da es die Fähigkeit des menschlichen Gehirnes nicht fördert, in vielen Bahnen gleichzeitig zu agieren.
Dabei werden im Rahmen seiner Übungen ein oder zwei Sinne total in Anspruch genommen, während ein dritter dadurch Automatismen zu entwickeln beginnt, weil der Verstand damit beschäftigt ist, die anderen zwei zu überwachen. Die Beobachtung des dritten Sinnes, der automatisch und frei assoziiert, ist der Trick dabei. Als Beispiel ein eigener Weg: Ich trommele und singe während meiner schamanischen Sitzungen. Abgesehen vom Trancesteigernden Effekt des Singens und Trommelns bin ich auf die beiden Tätigkeiten konzentriert, während mein inneres Auge frei assoziierend in der Geisterwelt sieht. Die Resultate sind erstaunlich. Im Ghost-Dance wurde gesungen, im Kreis getanzt und die optischen Sinne durch weiße Federn, die vor den Tänzern geschwungen wurden (in einem bestimmten, dem Tanzschritt widersprechenden Rhythmus), gebunden. Wie oben bereits angedeutet, funktioniert das auch in der Mantramistik.
Wege aus der Trance
Aus den meisten Trancezuständen kommst Du so schnell wieder heraus wie Du hineinkommst. Das schlimmste, was passieren kann in diesen Trancen ist, das Du einschläfst oder dich an nichts erinnerst, was währenddessen geschehen ist. Einige Tranceinduktionen sind jedoch nicht ganz so leicht zu beenden und erfordern zum Teil auch ausdrücklich die Hilfe von Außenstehenden. Bei einigen Trancetechniken sind auch Besessenheitszustände erwünscht. Je tiefer die Trance hier wird, desto mehr geht die Kontrolle verloren und Du bist häufig auf Hilfeangewie sen, dort wieder hinauszukommen. Zieht sich eine Besessenheitstrance über längere Zeiträume hinweg, wie im Voodoo oder in manchen magischen oder schamanischen Ritualen, geht der Geist manchmal von selbst und lässt dich erschöpft zurück. Geht er nicht, muss er exorziert werden. Dies geschieht am besten durch eine fachgerecht ausgeführte Bannung, wobei der Besessene manchmal dabei festgehalten werden muss. Der Geist kann da unkooperativ genug sein, so das ein Exorzismus für die Beteiligten auch gefährlich werden kann, körperlich und energetisch. Diese Geister werden alles versuchen, das sie nicht exorziert werden. Von Schmeicheleien bis hin zu echter Aggression und Handgreiflichkeiten ist da alles drin. Beim eigentlichen Exorzismus ist es sinnvoll, nicht gleich mit der Keule
anzurücken. Die einfachste Form des Exorzismus ist ein bannendes Ritual, wie das gnostische Pentagrammritual (siehe Anhang A) oder das Ziehen eines Chaossterns vor dem Geist. Die Verwendung vertreibender Räucherungen wie Asa Foetida oder Salbei können eine unterstützende Maßnahme sein. Die Extraktion des Geistes ist eine stärkere, aber sehr heikleAngelegenheit. Der Geist kann in den Exorzierenden einfahren, wenn der nicht aufpasst und sich zu schützen weis. Der Schock oder Schreck durch plötzliche, heftige Sinneseindrücke vertreibt ebenso einen solchen Geist. Direkt in das Auge gehaltenes Taschenlampenlicht (wenn es dunkel ist), akustisches Erschrecken oder auch einen Eimer Wasser ins Gesicht des Besessenen sind effiziente Gehilfen beim exorzieren – je nach Situation und Umständen. Der Vollständigkeit halber und weil im zweiten Teil darüber etwas ausführlicher geschrieben wird, erwähne ich den Vitalkraftschock als weiteres Mittel, das den Exorzierten in eine Ohnmacht bringt, aber den Geist sehr effizient exorziert. Der Exorzierende muss einschätzen können, wann der Geist nicht mehr im Körper des Trancetechnikers ist. Ein paar Anhaltspunkte gibt es dazu.
Die Körperkontrolle ist wieder vorhanden, und/oder der Exorzierte antwortet auf Fragen in vernünftigen und normalen Sätzen, die Pupillenreflexe sind wieder normal. Besessenheit ist also nichts, das Du mal einfach schnell so nebenbei versuchen solltest. Glücklicherweise sind diese wirklich tiefen Besessenheitszustände eher selten. Genug mit der allgemeinen Einführung, auf zur praktischen Seite – was wir mit der Trance so alles anfangen können. Im Anhang B habe ich eine zusammengestellte Tabelle verschiedener Trancezustände angefügt, um den schamanischen Bewußtseinszustand in Relation zu anderen, bekannten Meditationstechniken, zu setzen.
|
|