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Das Krafttier

Etwas weiter oben habe ich bereits einiges über das Krafttier oder den Tiergeist, wie ich dieses Wesen gerne nenne, geschrieben. An dieser Stelle beschreibe ich nun einige Möglichkeiten, mit diesem Tiergeist umzugehen und den Kontakt zu vertiefen. Eigentlich ist der Kontakt mit den einzelnen Geistern, ähnlich wie ein klassischer Pakt. Der Schamane opfert oder erfüllt die Bitten der kontaktierten Geister, und erhält dafür diverse Gegenleistungen, die abgemacht werden.

Beim Krafttier ist dies ähnlich, und doch ist das Krafttier weit mehr, als nur ein Partner in einer quasi geschäftlichen Beziehung.Autoren, die sich das Gebiet des Schamanismus als Broterwerb ausgesucht haben, benennen diesen Partner unterschiedlich: Totem, Nagual, Krafttier, Schutzgeist/-engel/-tier, Fylgja, Clanwesen, Tierseele, Alter Ego um nur ein paar der prominenteren aufzuzählen. Die Bezeichnungen werden meistens irgendwelchen indigenen Weltbildern entnommen und sprechen damit den meistens tierartigen Partner und Helfer in der nichtalltäglichen Wirklichkeit (NAW) an.

Es gibt einen Unterschied zwischen dem persönlichen und dem unpersönlichen ... (bitte hier deinen Lieblingsbegriff einfüllen). Der persönliche Tiergeist kann nur auf den Schamanen selbst bezogen werden. Unpersönliche Tiergeister können durch astrologische Methoden (siehe Sun Bear), durch Stammesüberlieferung (KLANwesen) auf einen ganzen Klan bezogen oder durch Familientraditionen ermittelt werden. Auf Klanwesen gehe ich gesondert im Zusammenhang mit unseren Ahnen ein. Unpersönliche Tiergeister "hat" jeder, der sich in der entsprechenden Gruppe befindet (oder das richtige Buch liest), gleichgültig ob Schamane oder nicht. Im Falle magischer Orden wäre das "Klanwesen" das Egregore, um nur ein Beispiel anzubringen.

Es gibt mehrere Formen von Krafttieren. Als wichtigstes sei hier das lebenslängliche Krafttier genannt. Im Lauf deines Lebens begegnete Dir mit Sicherheit bereits in früher Kindheit ein Tiergeist auf die eine oder andere Weise in der Wirklichkeit oder im Traum. Ich selbst lernte dieses Krafttier bereits im Alter von drei Jahren kennen. Ich traf es im Tiergarten an und sah es hinterher immer wieder - auch im Fernsehen. Intuitiv wusste ich bereits damals, das es zu mir gehörte. Gegenüber meinen Eltern erwähnte ich sogar, ich selbst sei das dort gezeigte Tier. Zwar wurden mir meine "Flausen" damals ausgeredet, aber vergessen konnte ich die Begegnungen nicht. Fast zwei Jahrzehnte später war der Kondor das erste Tier in einer großen Falknerei, das mit mir Kontakt aufnahm und mich sofort akzeptierte. Wer schon einmal mit Greifvögeln und Geiern gearbeitet hat, wird wissen, wie schwierig es ist, als Mensch einen Kontakt aufzubauen, der auf gegenseitigem Vertrauen basiert.

In der Zwischenzeit habe ich ein sehr tiefes Verhältnis zu meinem Tiergeist aufbauen können und weiß sehr viel über die besonderen Kräfte (und Schwächen) meines Tieres. Meine Persönlichkeit besitzt starke Aspekte des Tiergeistes, ein weiterer Effekt einer solchen lebenslangen Beziehung. Dazu muss erwähnt werden, das Kondor viele Jahre lang keinesfalls das dominante Tier war, sondern auch Adler, Tiger, Elefant und Delphin (je nach Situation und Lebensabschnitt) eine wichtige Rolle spielten. Das Haupttier jedoch blieb immer irgendwo still im Hintergrund um sich sofort zurückzumelden, als ich zu schamanisieren begann. Wie schon erwähnt, gibt es auch andere Tiergeister, die sich für eine gewisse Zeit einem Schamanen anschließen.

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Diese Tiergeister sind ebenso Krafttiere, die jedoch eher zu wechseln neigen. Je nach Lebensabschnitt oder spezieller Aufgabe variiert die Dauer der Anwesenheit zwischen ein paar Wochen und einigen Jahren. Es gibt auch spezielle Krafttiere, die sich nur mit einer einzigen Spezialaufgabe befassen. Menschen mit mehreren Krafttieren gleichzeitig tendieren dazu, solche Krafttiere zu besitzen. Interessant dabei ist, das sich im Laufe der Jahre dann auch nur ein oder zwei Tiere herauskristallisieren. Als besondere und außergewöhnliche Ehre solltest Du es betrachten, wenn dein Tiergeist Dir Teile wie Federn oder ein Fell schenkt.

Ich meine mit "schenken", dass es dich auch nichts kosten wird, diese Dinge zu erhalten. Du findest Federn im Wald, andere Teile wiederum (wie Wolfsfelle oder andere Fetische) sind äußerst schwer zu erhalten, wenn die Geister es jedoch erlauben, dann wird es für dich einfach sein. Halte diese Geschenke in höchsten Ehren. durch sie kannst Du viel schneller und intensiver mit deinem Krafttier Kontakt aufbauen, Du hast einen direkten Kanal zur Kraft deines Tieres. Persönliche Tiergeister besitzt an und für sich auch jeder, doch nur der Schamane arbeitet mit ihm zusammen und kennt es. Es gibt wie gesagt fast keine Regel, welches Aussehen es haben kann, wie stark es ist, wie viele es sind, ob sie immer da sind, oder ob es mal ein paar Tage weg ist (und Urlaub macht) oder ganz verschwindet (selten), über das Verhalten, Charakter, Fähigkeiten.

Tiergeister können aber - wenn sie sich mal verzogen haben - zurückgebracht werden. Diese Viecher eignen sich auch hervorragend dazu, Wünsche zu realisieren. Manchmal tun sie das auch ungefragt (je besser der Kontakt mit dem Krafttier, desto häufiger und intensiver werden diese Erfahrungen). Es lassen sich bei dem lebenslangen Krafttier eindeutig Parallelen zum heiligen Schutzengel (nach Abramelin oder Crowley) ziehen.

Das lebenslange Krafttier ist jedoch nicht der heilige Schutzengel, wie Du jetzt vielleicht glauben wirst. Diese Wesen aufs Hilfsgeisterniveau zu reduzieren - wie es manche Ethnologen oder Möchtegernschamanen gerne tun - sollte sehr genau überdacht werden und ich halte es für falsch. Hilfsgeister sind etwas ganz anderes. Ein Hilfsgeist besitzt eine Art Zeitvertrag mit dem Schamanen. Er ist Spezialist in seinem Aufgabenbereich. Die Bindung mit dem Schamanen ist eine rein geschäftliche, die Bindung zum Krafttier hingegen ist viel tiefer (Nebenbei: In einigen Kulturen Sibiriens ist es durchaus gesellschaftsfähig, eine offizielle Ehe mit dem Tiergeist als Partner zu führen). Der mythologische Ursprung der Schamanen wird in vielen Kulturen damit erklärt, das ein Tiergeist (die Tiermutter) – meistens ein Adler – vom Himmel herabgeschickt wird und eine Frau schwängert, die dann den ersten Schamanen gebärt.

Schamanen haben gerne mehrere Hilfsgeister und binden sie auch an materielle Gegenstände. Das Krafttier kann auch mit den so genannten Tierkönigen verglichen werden, die in mancher Fabel Erwähnung finden. Tiergeister sind niemals explizite Geister verstorbener Exemplare der entsprechenden Tierart, sondern gleichen dem Archetyp der jeweiligen Tiergattung. Es ist also nicht die Kraft eines Bären, sondern die Kraft von Bär, die ein Bärenschamane in sich spürt!

Ich habe erst im Jahre 2001 diese Aussagen im magischen System des hawaianischen Huna nachvollziehen können, Max Freedom Long erwähnt, das es für Tiere sozusagen ein kollektives höheres Selbst gibt, und die Kahuna mit diesen Wesen in Kontakt treten könnten. Ein weiteres Detail liefert die altpersische Religion der Parsen. Bei ihnen lautet der Name dieses Wesens Fravashi und es gilt als höchstes Ziel des Lebens, dem Schutzgeist sich anzunähern während des Lebens und im Tode Eins mit ihm zu werden  Im Technical Remote Viewing ist die eigene Phantasie im Erdenken von Aufgabenstellungen die einzige Grenze, die gezogen werden kann. Während einiger Sitzungen auf meinen eigenen ‘Heiligen Schutzengel’ konnte ich eindeutig feststellen, das das lebenslange Krafttier nicht identisch ist mit dem Heiligen Schutzengel, auch wenn es diesem in einigen Aspekten ähnelt.

 


Die Gestalt und die Fähigkeiten eines tiergeistes 

Über das Aussehen des Krafttieres habe ich bisher noch überhaupt nichts geschrieben. "Tiergeist" oder "Krafttier" betont ja irgendwie schon einmal, dass es sich dabei um ein tierförmiges Wesen handeln muss. Eigentlich sollte es keinerlei Gesetzmäßigkeiten hinsichtlich der Gestalt/Art des Krafttieres geben.

Eine gewisse Regelmäßigkeit schleicht sich bei längerer Beobachtung vieler Schamanen dann doch ein. Ich beobachtete im zentraleuropäischen Kulturraum, dass es erwartungsgemäß viele Adler, Hirsche, Füchse, Bären, Löwen, Katzenartige, Krähenvögel und noch eine Reihe weiterer Tierarten gibt die bei uns heimisch sind. Nicht heimische Tiere tauchen auch immer wieder auf, Tiergärten sind doch eine feine Einrichtung! Fabeltiere, Insekten, Reptilien, Spinnen und ausgestorbene Tiere sind eher selten.

Haustiere tauchen (fast) nie auf. Eine Ausnahme ist das Pferd. Fischgeister und Krokos sind ganz selten. Interessant ist, dass es fast nirgends eine spezielle Tierart ist, wie spanischer Kaiseradler, Saruskranich oder Turmfalke. Gelegentlich verändern Krafttiere ihr Aussehen, auch menschenähnliche Gestalten können darunter sein.

Sie besitzen Fähigkeiten, die über das normale hinausgehen: sie können sprechen, sich in untypischen Umgebungen zurechtfinden (Wölfe die tauchen, fliegende rosa Elefanten, in der Erde  schwimmende Adler). Während der Reise kannst Du mit deinem Krafttier verschmelzen. Dein astrales Imago gleicht dann dem deines Krafttieres. Ein intensiver Kontakt mit dem Krafttier kann in der alltäglichen Wirklichkeit faszinierende Wirkungen zeitigen. Tiere derselben Gattung reagieren auf den Tiergeist, und tendieren zu akzeptierendem Verhalten gegenüber dem Schamanen - oder reagieren mit intensiven Fluchtverhalten (Fressfeind!). Ein bewusstes in sich Rufen des Tiergeistes in alltäglichern Situationen kann auf Menschen ebenso interessante Wirkung haben, die sich in deiner Umgebung befinden.

Der Tiertanz

In den Sagen eigentlich aller Völker gibt es deutliche Hinweise auf diese Praktik. Es wird von Menschen berichtet, die sich in Tiere verwandeln konnten. So ist der Werwolf beispielsweise eine Erinnerung an Schamanen, die den Wolf als Verbündeten hatten. In den germanischen Mythen wird häufig von dem Falkengewand Freyas gesprochen. Ein weiterer Hinweis, diesmal auf den Seelenflug (also der schamanischen Reise) in Tiertrance und auf den Brauch, Tierkostüme dazu zu verwenden. Um den Kontakt mit dem Tiergeist zu festigen und zu vertiefen kann der Tiertanz durchgeführt werden. Im Tiertanz wird Krafttier in der alltäglichen Realität vom Schamanen dargestellt und verkörpert. Diese Art der Besessenheit kann sehr kraftvoll und intensiv sein. Das Tier fährt in den Körper des Schamanen ein, verdrängt das Ich des Schamanen und übernimmt für eine gewisse Zeit die Herrschaft über den Körper.

Während dieser Zeit kann das Tier Heilungen am Schamanen und an Klienten durchführen oder der Schamane kann einen Seelenflug unternehmen (als Tiermensch oder gänzlich als Tier). Das klingt spektakulärer, als es häufig ist. Der Tiertanz ist in der Praxis eher eine mäßig tiefe Trance. Die meiste Zeit kann der Tanz in kontrollierte Bahnen gelenkt werden. Je nachdem, wieweit der Praktizierende dabei gehen will, kann die Trance natürlich noch tiefer werden. Es findet immer ein Energieaustausch zwischen Tiergeist und Schamanen statt, welcher für beide Seiten von großem Nutzen ist. Tiertänze schaden dem Schamanen niemals.

Allein die Tatsache, dass das Krafttier (der intimste Vertraute des Schamanen) invoziert wird, schließt Schäden von vorneherein absolut aus. Für den Tiertanz ist es am besten, sich ausreichend Zeit für Vor- und Nachbereitung zu nehmen. Als erstes muss klar sein, auf welche Art die Trance induziert wird. Es gibt da natürlich mehrere Wege. Seidh, Drogen, Trommeln, Atmungstechnik, Blutopfer, Imaginationsarbeit und Imitation sind die mir bekannten und von mir bereits erprobten Methoden. Ist die Tranceinduktion erst einmal geklärt, der Ort vorbereitet, eventuelle musikalische Begleitung abgesprochen oder per elektronisches Medium abrufbereit, kann der Tiertanz durchgeführt werden. Innerhalb größerer Gruppen fällt es leichter, in Tiertrance zu geraten. Während der Tiertrance äußert sich das Tier auf seine typische Art und Weise, und verhält sich auch so.

In einer Gruppe ist dies immer sehr interessant und macht viel Spass. Nach einer gewissen Zeitspanne endet der Tiertanz auf irgendeine Weise. Eine gewisse Zeit der Erholung und Normalisierung, d.h. Erdung, sollte folgen. Bannendes Lachen ist da meiner Erfahrung nach fehl am Platz, zum einen ist man ziemlich außer Atem, zum anderen ist es nicht sehr sinnvoll, positive Kräfte zu bannen. Als kraftvoll hat es sich erwiesen, ein wenig hungrig vor dem Tiertanz zu sein, denn Hunger gehört zu den Körpererfahrungen, die allen Wesen gemeinsam ist, und es dem Tiergeist einfacher macht, sich zu äußern.

Masken und Kostüme beim Tiertanz

Innerhalb schamanistischer Praxis werden häufig Schamanenkostüme verwendet, die den Tiergeistern des Schamanen nachgebildet sind, und diese zumindest repräsentieren sollen. Funktionen haben diese Kostüme mehrere. Eine wichtige Funktion ist die Schutzfunktion. In diesem Zusammenhang interessiert aber eher das Kostüm als Mittel zur Verkörperung des Krafttieres. Masken können eine ähnliche Funktion erfüllen. Kostüme und Masken bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit in der  Herstellung, Aufbewahrung und Verwendung.

Dabei ist es wichtig, den Geist zu fragen, der mit dem Kostüm dargestellt und gerufen werden kann. Weiherituale und spezielle Anforderungen an den Schamanen können damit verknüpft sein. Tierkostüme sind sehr stark aufgeladene schamanische Gegenstände, die es dem Schamanen ermöglichen können, innerhalb von wenigen Augenblicken komplett in Trance zu geraten. Es muss nicht sein, dass das Kostüm aus echten Tierteilen besteht (ist ohnehin schwierig in unseren Tagen beispielsweise ein Wolfsfell zu bekommen, oder ein Bärenfell). Eine Repräsentation nach den Angaben deines Tiergeistes wird die Regel sein. Betrachte es als aussergewöhnliche Ehre, echte Teile deines Krafttieres verarbeiten zu können.

Oft gelangen diese Dinge dann auch zu Dir, ohne das Du viel investieren müsstest! Als Materialien haben sich Filz, Leder, Holz, natürliche Komponenten wie Holz, oder auch Glasfaser oder Fieberglas (zur Stabilisierung) bewährt. Eine Bedingung solltest Du dabei nicht vergessen: das Tanzkostüm muss stabil genug gebaut werden, dass es sich nicht in seine Einzelteile zerlegt, wenn Du mal eine zeitlang dich darin bewegst. Bedenke, dass Du dich höchstwahrscheinlich in tiefer Trance befinden wirst, während Du das Kostüm trägst! Schellen oder Zimbeln anzubringen ist auch eine gute Idee. Zum einen vertreibt das Geräusch schlechte Geister, zum anderen bringt dich das Klingeln besser in Trance.

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