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HERMETISCHE PHILOSOPHIE |
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Das göttliche Paradoxon Teil 1
Reiner Geist
übersteigt unsere Erkenntnis, wir gebrauchen den Ausdruck nur, um an das All
zu denken und von ihm zu sprechen. Um an Reinen Geist denken zu können und
ihn einigermaßen zu verstehen, sind wir berechtigt ihn uns als unendliches,
lebendes Mind zu denken, freilich muss es uns immer
bewusst sein, das wir ihn niemals voll begreifen können. Entweder muss uns
dies bewusst bleiben oder wir müssen überhaupt aufhören, darüber
nachzudenken. Gehen wir nun weiter und betrachten wir die Natur des
Universums, als Ganzes und in seinen Teilen. Was ist das
Universum? Wir haben gesehen, dass nichts außerhalb des Alls sein kann. Dann
ist das Universum das All? Nein, dies kann nicht sein, weil das Universum aus
vielem aufgebaut erscheint und in fortwährendem Wechsel begriffen ist; aber
auch noch in anderer Hinsicht entspricht es nicht der Vorstellung, die wir
vom All haben müssen, wie wir sie in unserer Lektion festgestellt haben. Wenn
aber das Universum nicht das All ist, dann muss es nichts sein – dies
scheint auf den ersten Blick der einzig mögliche Schluss zu sein. Diese
Antwort kann aber unsere Frage nicht befriedigend lösen, weil wir die
Existenz des Universums fühlen. Wenn aber das
Universum weder das All noch nichts ist, was kann es sein? Prüfen wir diese
Frage. Wenn das Universum überhaupt existiert oder zu existieren scheint,
muss es irgendwie vom All ausgehen, muss es eine Schöpfung des Alls sein. Da
aber etwas niemals von nichts kommen kann, woraus könnte das All das
Universum erschaffen haben? Mehrere Philosophen haben diese Frage
beantwortet, indem sie sagten, das All habe das Universum aus sich selbst
erschaffen, d. h. aus dem Wesen und der Substanz des Alls. Dies kann aber
nicht richtig sein, weil das All nicht vermindert und nicht geteilt werden
kann, wie wir gesehen haben, und dann - wenn es auch so wäre, wäre nicht
jedes Teilchen im Universum sich seines Allseins
bewusst ? Das All könnte
weder sein Wissen von sich selbst verlieren, noch wirklich ein Atom oder
blinde Kraft oder ein niederes lebendes Wesen werden. Manche Menschen, die wußten, dass das All tatsächlich alles ist, dass aber
auch sie, die Menschen, existieren, haben daraus kühn den Schluss gezogen,
dass sie und das All identisch seien. Zur Freude der
Menge und zum Kummer der Weisen erfüllten sie die Lüfte mit ihren Rufen
"lch bin Gott". Im Vergleich zu dieser
Anmaßung wäre der Anspruch des Atoms "Ich bin Mensch" noch
bescheiden zu nennen. Was aber ist dann das Universum, wenn es nicht das All
ist, ja nicht einmal vom All erschaffen wurde, indem dieses sich teilte ? Was sonst kann es sein – woraus sonst kann
es gemacht worden sein? Dies ist die große Frage. Prüfen wir sie sorgfältig |
Wir finden, dass
uns das Prinzip der Entsprechung (siehe Lektion 2.1) hier zu Hilfe kommt. Das
alte hermetische Axiom "Wie oben so unten" muss zur Lösung dieser
Schwierigkeit herangezogen werden. Bemühen wir uns, einen flüchtigen Schimmer
des Wirkens auf höheren Plänen zu erhalten, indem wir unseren eigenen Plan
beobachten und prüfen. Das Prinzip der
Entsprechung muss sich auf dieses Problem ebenso gut wie auf andere Probleme
anwenden lassen. Sehen wir also zu! Wie schafft der Mensch auf seinem eigenen
Daseinsplan? Vorerst mag er schaffen, indem er etwas aus äußeren Materialien
schafft. Dies kann aber für unser Problem nicht zutreffen, weil es außerhalb
des Alls keine Materialien gibt, aus welchem es es
schaffen könnte. Eine zweite Möglichkeit des Schaffens: Der Mensch erzeugt,
reproduziert seine Art durch den Vorgang der Zeugung, welcher eine
Vervielfältigung seines Selbst ist, indem der Mensch einen Teil seiner
Substanz auf seine Nachkommenschaft überträgt. Aber auch dieser Vorgang kann
beim All nicht zutreffen, weil das All weder einen Teil seines Selbst
übertragen und abgeben, noch sich selbst reproduzieren oder vervielfältigen
kann - im ersten Fall wäre es ein Wegnehmen vorn All, im zweiten Fall eine
Vervielfältigung des Alls oder ein Hinzufügen zum All. Alle diese
Gedanken sind absurd. Gibt es noch eine dritte Art, in welcher der Mensch erschafft ? Ja, es gibt eine dritte Art - er schafft
mental! Wenn er mental schafft, benützt er keine äußeren Materialien und
reproduziert er sich nicht, und doch durchdringt sein Geist die mentale
Schöpfung. Nach dem Prinzip der Entsprechung dürfen wir mit Recht annehmen,
dass das All das Universum mental schafft, in einem Vorgang, ähnlich dem, in
dem der Mensch mentale Bilder schafft.
Das Universum
des Schülers aber ist die mentale Schöpfung eines endlichen Mind, während das Universum des Alls die Schöpfung eines
unendlichen Mind ist. Die beiden sind ähnlich in
der Art, aber unendlich verschieden im Grad. Fortschreitend werden wir den
Vorgang der Schöpfung und Manifestation genauer studieren. Das aber müsst
ihr schon jetzt festhalten: Das Universum und alles, was es enthält, ist eine
mentale Schöpfung des Alls. Wahrlich alles ist Mind!
"Das All schafft in seinem unendlichen Mind
zahllose Universen, die durch Äonen bestehen - und
doch, für das All ist Erschaffung, Entfaltung, Verfall und Tod von Millionen
von Universen nicht länger als ein
Augenblick." Das Kybalion "Das
unendliche Mind des Alls ist der Schoss der Universen." |
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Das göttliche Paradoxon Teil 2 Das Prinzip des Geschlechts
ist auf allen Lebensplänen manifestiert, auf dem materiellen, mentalen
und spirituellen. Aber, wie wir schon
früher bemerkten, Geschlecht bedeutet nicht Sexualität - Sexualität ist nur
die materielle Manifestation von Geschlecht. Geschlecht bedeutet "auf
Erzeugung oder Schöpfung bezüglich". Und wo immer etwas erzeugt oder
erschaffen wird, muss auf allen Plänen - das Prinzip des Geschlechts wirken.
Und dies trifft sogar bei der Erschaffung von Universen
zu. Nun darf man aber nicht glauben, dass wir lehren wollen, es gäbe einen
männlichen und einen weiblichen Gott oder Schöpfer. Dies wäre nur eine
Verdrehung der alten Lehren. Die wahre Lehre ist, dass das All, in sich
selbst, über dem Geschlecht steht, wie es auch über jedes andere Gesetz, die
Gesetze von Raum und Zeit inbegriffen, erhaben ist.
Die Lehre ist,
dass das vom All manifestierte männliche Prinzip von der wirklichen mentalen
Erschaffung des Universums gewissermaßen abseits steht. Es projiziert seinen
Willen auf das weibliche Prinzip (welches man Natur nennen kann), worauf das
letztere die eigentliche Evolution des Universums beginnt, von einfachen
Aktivitätszentren an bis zum Menschen, und dann weiter und höher, alles nach
wohl gegründeten und streng durchgesetzten Naturgesetzen. Wenn man die alten
Gedankenbilder vorzieht, kann man sich das männliche Prinzip als
Gottvaterdenken, das weibliche als die Natur, die universale Mutter, aus
deren Schoß alle Dinge geboren wurden. Das ist mehr als eine bloße poetische
Redefigur, es ist eine Idee vom wirklichen Vorgang der Schöpfung des
Universums. Man darf aber nie vergessen, dass das All Eins ist, und dass in
seinem unendlichen Mind das Universum erzeugt und
erschaffen wird und existiert. Um eine klarere Vorstellung zu gewinnen, mag
es gut sein, das Gesetz der Entsprechung auf sich selbst und auf sein eigenes
Mind anzuwenden. Ihr wisst, dass
jener Teil eures Selbst, welches man "Ich" nennt, abseits steht und
der Schöpfung mentaler Bilder in euerem eigenen Innern zusieht. Der Teil
eures Selbst, in welchem die mentale Schöpfung stattfindet, kann das
"Mich" genannt werden zum Unterschied vom "lch",
welches abseits steht und die Gedanken, Ideen und Bilder des "Mich"
sieht und prüft. "Wie oben, so unten!" - erinnert euch dieses
Satzes, und das Phänomen des einen Planes mag dazu dienen, die Rätsel höherer
oder niederer Pläne zu lösen. Ist es ein
Wunder, dass der Mensch, das Kind, diese instinktive Ehrfurcht vor dem All
fühlt - wir nennen dieses Gefühl "Religion" -, diese Achtung und
Ehrfurcht vor dem Vater-Mind? Ist es ein Wunder,
dass der Mensch, wenn er die Werke und Wunder der Natur betrachtet, von einem
mächtigen Gefühl übermannt wird, welches in seinem innersten Wesen wurzelt?
Das Universum
ist eure Heimat und ihr werdet seine fernsten Verborgenheiten erforschen vor
dem Ende der Zeit. Ihr wohnt im unendlichen Mind
des Alls, eure Möglichkeiten sind in Raum und Zeit unendlich. Und am Ende des
großen Zyklus der Äonen, wenn das All seine Schöpfungen in sich selbst
zurückzieht, - da werdet ihr freudig gehen, denn dann werdet ihr verstehen
können, was es heißt, Eins mit dem All zu sein. So lautet der Bericht der
Erleuchteten - welche auf dem Pfade wohl vorangeschritten sind. Bis dahin
aber bleibt ruhig und heiter - ihr seid sicher und beschützt von der
unendlichen Macht des Vater-Mutter-Mind. "Im Vater-Mutter-Mind sind sterbliche Kinder daheim."
Das Kybalion "Es gibt niemanden im Universum,
der vaterlos oder musterlos wäre." Das Kybalion
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